Den ursprünglichen Zweck behalten

Fr, 20. Nov. 2020
Kirchenpflegepräsident Hans Hildbrand (hinten rechts) konnte Seppi Schönenberg (hinten links) neu in der Kirchenpflege begrüssen. An der «Chilegmeind» verabschiedete er den langjährigen Finanzverwalter Leo Werder (vorne links) und die Kirchenpflegerin Sonja Notter. Bild: Annemarie Keusch

Die Kirchgemeinde Boswil-Kallern investiert 1,84 Millionen Franken ins Pfarrhaus

«Es geht um viel Geld», sagt Kirchenpflegepräsident Hans Hildbrand. Entsprechend war es auch das zentrale Traktandum an der «Chilegmeind». Für 1,84 Millionen Franken wird das Pfarrhaus so umgebaut, dass es neben den öffentlichen Räumen auch Platz für zwei Wohnungen bietet. Der Entscheid dafür fiel mit einer grossen Mehrheit.

Annemarie Keusch

«Stellen Sie Fragen, stellen Sie kritische Fragen. Bringen Sie Ihre Ideen ein.» Kirchenpflegepräsident Hans Hildbrand appellierte an die Stimmberechtigten. Die Kirchenpf lege weiss, 1,84 Millionen Franken sind viel Geld. Da soll die Meinung der Steuerzahler natürlich abgeholt werden.

Und die Fragen, sie kamen. Etwa wollte ein Teilnehmer eine Begründung, weshalb diese Variante als beste auserkoren wurde. Hildbrand antwortete: «Wir haben den Auftrag gefasst, vorwärtszumachen. Auf Experimente wollten wir uns nicht einlassen.» Die Kirchenpflege sei sich schnell einig gewesen, dass die Variante mit den zwei Wohnungen die beste ist, «weil der ursprüngliche Charakter nicht verloren geht». Hildbrand erwähnt die Nachhaltigkeit, dank der Mieteinnahmen. Hildbrand sagt aber auch, dass bewusst kein Variantenstudium gemacht wurde, «nur in Gedanken».

Neuer, rollstuhlgängiger Eingang

Gedanken hat sich die Kirchenpflege einige gemacht. Vor einem Jahr informierte sie darüber, dass das Ziel verfolgt werde, im Pfarrhaus wieder wohnen zu können. Der stattliche Bau aus dem Jahr 1913 wurde damals als Domizil für den Pfarrer, samt Pfarrköchin, Pfarrhelfer, Vikar und Gäste gebaut und dafür ausgelegt. Soll darin eine Institution Platz finden? Sollen Büros vermietet werden? Wäre es geeignet für eine Asylunterkunft? Schnell war sich die Kirchenpflege einig: «Es soll bleiben, was es ist – ein Gebäude mit Räumen für die öffentliche Nutzung und zum darin Wohnen.»

1,84 Millionen Franken beantragt die Kirchenpflege für das Projekt. «Wir haben nirgends nach einer Luxuslösung gesucht», versichert Präsident Hans Hildbrand. Er sagt aber auch, dass im Innern des Gebäudes fast nichts gleich bleibt, aussen wird der Baukörper nicht verändert. Im Untergeschoss, das als Lagerraum kirchennahen Vereinen dient, werden Wände verschoben und ein neuer Boden verlegt. Im Erdgeschoss, das der öffentlichen Nutzung dient, entsteht ein neuer Gruppenraum. Mit einem neuen Treppenhaus, am Rand und nicht mehr in der Mitte des Gebäudes, geht es in die beiden Wohnungen im Ober- und Dachgeschoss. Westseitig ist ein neuer Eingang geplant, der rollstuhlgängig ist. Nach dem Ja zum Kreditantrag geht es nun in die Detailplanung. Schon im Frühling soll mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Rechnen mit jährlichem Ausgabenüberschuss

Das Projekt umfasst auch die energetische Sanierung. Wie das Gebäude beheizt wird, ist laut Hans Hildbrand noch Teil von Diskussionen – ökologisch werde es auf jeden Fall. Die Frage eines Teilnehmers, warum die Heizung nicht gleich mit jener für die Kirche und den Pfarrsaal verbunden werde, beantwortete der Präsident wie folgt: «Das bräuchte unglaublich viel Leistung, was zusätzliche Investitionen machen würde. Diese auch jetzt zu tätigen, würde den Rahmen sprengen.»

Für die Kirchenpflege ist klar: der Umbau des Pfarrhauses ist ein Kraftakt. Zumal die Präsentation der Tragbarkeitsrechnung von Finanzverwalter André Koch zeigt, dass jährlich mit einem Ausgabenüberschuss von 7000 Franken zu rechnen ist. «Das hier ist kein Renditeobjekt», betont denn auch Hans Hildbrand. Und er sagt auch offen, dass die Kirchgemeinde wohl mittelfristig über eine Erhöhung des Steuerfusses reden müsse.

Ministrant, Sakristan, jetzt Kirchenpfleger

Zur Freude von Hildbrand konnte die Vakanz in der Kirchenpflege mit einer Neuwahl behoben werden. «Seppi Schönenberg ist jemand, der weiss, was Kirche ist und was Kirchenpflege bedeutet», betonte Hildbrand. Und Schönenberg führte dies gleich aus. «Ich war Ministrant in Bettwil, wurde als 16-Jähriger Sakristan und habe das fünf Jahre gemacht.» Noch heute seien zwei seiner Schwestern Sakristaninnen und seine beiden Töchter Ministrantinnen.

Weil der jährliche Mitarbeiterhock nicht stattfinden konnte, wurden die Verabschiedungen auch an der «Chilegmeind» vorgenommen. Nach sechs Jahren trat Sonja Notter als Kirchenpflegerin zurück. Hildbrand lobte ihren grossen Einsatz für die Mitarbeitenden und ihre starke Präsenz.

Über 25 Jahre Finanzverwalter

Verabschiedet wurde auch Leo Werder. Über 25 Jahre war er als Finanzverwalter der Kirchengemeinde tätig. «Das, was du geleistet hast, ist eindrücklich und einmalig», hielt der Präsident fest. Er habe die Finanzen pflichtbewusst und genau geführt, über alles Bescheid gewusst. «Er ist ein Organisationstalent, nahm an fast allen Kirchenpflegesitzungen teil», führte er aus. Ob Fahrdienst, Grillmeister an den ökumenischen Gottesdiensten oder Reiseorganisator – überall habe man auf seinen Einsatz zählen dürfen. «Und natürlich hat er immer darauf geschaut, dass die Finanzen im Lot sind.»

Mit einem Geschenk wurde Leo Werder verabschiedet und sagt: «Ich habe diese Arbeit immer gern gemacht. Trotzdem bin ich froh, sie jetzt nicht mehr machen zu müssen und zu wissen, dass die Finanzverwaltung in guten Händen ist.»


Die Beschlüsse

Von den 1314 Stimmberechtigten nahmen deren 38 an der Kirchgemeindeversammlung der katholischen Kirchgemeinde Boswil-Kallern teil. Sie genehmigten das Protokoll und die Kreditabrechnung Projekt «Sanierung Strassen, Plätze, Tiefbau Kirchenareal», die mit einer Kreditunterschreitung von gut 130 000 Franken schloss – dies trotz getätigter Mehrleistungen.

Eine grosse Mehrheit sagte zudem Ja zur Rechnung, die der neue Finanzverwalter André Koch präsentierte. Eigentlich würde diese mit einem Plus von 32 000 Franken schliessen, auch weil die Rechnung des Pastoralraums wegen der nicht besetzten Stelle tiefer ausfiel und weil mehr Steuern eingenommen wurden. Weil die Landeskirche aber empfiehlt, keine Gewinne auszuweisen, wurde eine ausgeglichene Rechnung präsentiert. Die 32 000 Franken wurden als zusätzliche Abschreibung getätigt. Auch das Budget führte zu keinerlei Diskussionen, obwohl es für das kommende Jahr – ähnlich wie für das laufende – einen Verlust von 56 500 Franken vorsieht. Der Finanzverwalter rechnet mit tieferen Steuereinnahmen, wegen Kirchenaustritten, aber auch als Folge der Coronakrise. Ein Blick in die Investitionen der nächsten vier Jahre zeigt neben dem Umbau des Pfarrhauses weitere Projekte: die Sanierung der Steuerung Lichttechnik in der Kirche und die Sanierung der Heizung der Kirche und des Pfarrsaals. Das Eigenkapital der Kirchgemeinde wird in den nächsten Jahren laufend kleiner.

Mit grosser Mehrheit sagten die Teilnehmenden Ja zu 1,84 Millionen Franken für die Sanierung und den Umbau des Pfarrhauses, sie wählten Seppi Schönenberg neu in die Kirchenpflege und gewähren Eigentümer Alex Brun ein Fussund Fahrwegrecht über den Kirchweg. --ake

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