Die Freiämter Olympionikin

Fr, 23. Jul. 2021

Susanne Küng an Olympia in Tokio

Die Merenschwanderin Susanne Küng ist als Schiedsrichterassistentin für das Olympische Fussballturnier aufgeboten. Sie wird nicht nur an der Seitenlinie ihre Fahne schwenken, sondern hält in Tokio auch die Freiämter Fahne hoch.

Lange neun Jahre ist es her, dass in London mit Pascal Strebel von der Ringerstaffel Freiamt und dem Meisterschwander Schwimmer David Karasek zwei Freiämter an den Olympischen Spielen teilgenommen haben. Jetzt in Tokio hat die Region wieder eine Vertreterin. Susanne Küng ist zwar keine Athletin, wird aber als Schiedsrichterassistentin von Esther Staubli am olympischen Fussballturnier teilnehmen.

In Merenschwand aufgewachsen, in Wohlen die Kantonsschule abgeschlossen und lange gelebt und beim FC Muri lizenziert, Küng bringt ein gutes Freiämter Paket nach Tokio mit. An die Olympischen Spiele, an denen im Fussball zum ersten Mal der VAR zum Einsatz kommt und an denen Covid-bedingt keine Zuschauer vor Ort sind. --jl


Die Freiämter Fahne in Tokio

Schiedsrichterassistentin Susanne Küng am olympischen Fussballturnier in Tokio

Die Merenschwanderin Susanne Küng ist die einzige Vertreterin der Region an den Olympischen Spielen in Tokio. Eine grosse Ehre für die Schiedsrichterassistentin. Und ein spezielles Erlebnis. Olympia in einer Stadt unter Covid-19-Notstand, ohne Zuschauer, beim ersten olympischen Fussballturnier mit VAR.

Josip Lasic

Heute Freitag, 13 Uhr, werden die Olympischen Spiele in Tokio eröffnet. Susanne Küng weiss nicht, ob sie bei der Eröffnungsfeier dabei sein wird. Sie ist nicht als Athletin, sondern als Schiedsrichterassistentin mit dabei. «Bei der Eröffnungsfeier in Rio vor vier Jahren waren die Schiedsrichter mit dabei. Aber momentan ist alles ein wenig unklar», berichtet die Freiämterin. Tokio steht unter Covid-19-Notstand. Zuschauer sind keine erlaubt. Und auch für die Offiziellen gilt es, den Bewegungsradius möglichst klein zu halten.

Es werden für die Merenschwanderin auf jeden Fall besondere Olympische Spiele. Einmal bei Olympia dabei sein – nicht nur für Athleten, sondern auch für die Unparteiischen ein Erlebnis von grosser Bedeutung. Die 33-Jährige war schon an einer U17und U19-EM, einer U17-, U20- und Aktiven-WM, einem Champions-League-Final und einem Champions-League-Finalturnier als Schiedsrichterassistentin im Einsatz. Dennoch sagt Küng: «Olympia hat einen besonderen Stellenwert in der Sportwelt. Die Freude ist riesig, dass ich dabei sein darf.»

Vorbereitung mit Staubli läuft seit Wochen

Deshalb hat für Susanne Küng das Abenteuer Japan auch schon lange vor der heutigen Eröffnungsfeier begonnen. Ende April wurden Schiedsrichterin Esther Staubli und sie für den Wettkampf aufgeboten. Das Duo ist normalerweise in der Challenge League im Einsatz. Als die Saison zu Ende ging, trainierten die beiden weiter für Olympia. Staubli und Küng leiteten Testspiele zwischen Profivereinen wie beispielsweise zwischen Yverdon und Servette. «Ihre Vorbereitungsspiele waren auch unsere Vorbereitungsspiele», kommentiert die Schiedsrichterassistentin.

Das Duo aus der Schweiz weilt seit über einer Woche im Land der aufgehenden Sonne. «Das ist ein normaler Prozess bei FIFA-Turnieren. Die Schiedsrichter reisen immer eine Woche vorher an. Es gibt eine Vorbereitung mit Theorieblock», erzählt Küng, die bis vor Kurzem in Wohlen gewohnt hat. Unter anderem wird in Tokio erstmals in einem olympischen Fussballturnier der Video-Assistant-Referee VAR zum Einsatz kommen. Küng kennt den VAR von der Frauenfussball-WM 2019. In der Challenge League muss sie allerdings ohne auskommen. «Die Umgewöhnung ist nicht so schwer, aber es schadet sicher nicht, dass wir etwas Vorbereitungszeit haben.»

Stadt und Land ansehen ist nicht möglich

Die Freiämterin will so gut wie möglich für Olympia vorbereitet sein. Die Gelegenheit, an den Olympischen Spielen dabei zu sein, kommt vielleicht nur einmal im Leben. Es ist ohnehin ein spezielles Erlebnis. Und dann erwischt Susanne Küng ausgerechnet die Olympia-Ausgabe, an der keine Zuschauer erlaubt sind. «Das ist sehr schade, aber ich versuche mir die Freude davon nicht trüben zu lassen», so die Juristin, die als wissenschaftliche Assistentin an der Universität in Bern arbeitet.

Die Freude nicht trüben lassen – das wird durch den organisatorischen Mehraufwand erschwert, der für die Offiziellen durch die Pandemie entsteht. Alle haben ein Booklet mit Verhaltensregeln erhalten, mussten zwei Apps herunterladen, die Contact Tracing ermöglichen, mussten sich vor dem Flug testen lassen und werden auch vor Ort täglich einem Covid-Test unterzogen. Normalerweise haben die Schiedsrichter auch die Gelegenheit, sich Stadt und Land anzusehen bei den Olympischen Spielen. Die Merenschwanderin hätte gern etwas von Japan gesehen. Doch in der aktuellen Lage ist das nicht möglich. «Wir bleiben im Hotel, gehen zum Training und an die Spiele. Mehr liegt nicht drin.»

Also beschränkt Küng, die beim FC Muri lizenziert ist, ihre Vorfreude auf die Spiele. Hat man als Schiedsrichterassistentin da ein bestimmtes Ziel? Beispielsweise, den Final zu leiten? «Das ist mehr ein Traum als ein Ziel. Jedes Schiedsrichtergespann hätte gern den Final. Es hängt aber von vielen Faktoren ab, wer diesen zugeteilt bekommt. Es gibt ja nicht mal die Garantie, dass man überhaupt ein Spiel erhält.»

In der Tat. Die FIFA hat 99 Spieloffizielle für die Leitung der Spiele benannt. Darunter 25 Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen und 50 Schiedsrichterassistenten und -assistentinnen. Sehr viele, in Anbetracht der Tatsache, dass es nur 48 Spiele gibt – das Turnier der Männer und das der Frauen zusammengerechnet. Das Fussballturnier der Frauen ging schon vorgestern Mittwoch, zwei Tage vor der Eröffnungsfeier, los. Tatsächlich: Am ersten Spieltag der Gruppenphase gingen alle sechs Partien ohne Beteiligung von Küng – Staubli war als vierte Offizielle im Einsatz – über die Bühne. Davon lässt sich die Freiämterin nicht aus der Ruhe bringen. «Es spielt keine Rolle, welches Spiel wir leiten dürfen. Wenn es so weit ist, wollen wir eine möglichst perfekte Leistung zeigen.»

«Es gibt immer ein nächstes Ziel»

Nach Olympia fängt die Juristin eine neue Arbeitsstelle bei einem Anwalt im Steuerrecht an. Doch wie sieht es im Fussball aus? Gibt es da noch Ziele für die Schiedsrichterassistentin? Sollte sie ein Spiel an den Olympischen Spielen leiten können, hätte sie so gut wie alle grossen Turniere erlebt. «Es gibt immer ein nächstes Ziel», sagt Küng. «Nächstes Jahr ist die Europameisterschaft der Aktiven bei den Frauen. Die habe ich noch nicht in meinem Lebenslauf», sagt sie mit einem Augenzwinkern. «Übernächstes Jahr ist dann wieder eine Weltmeisterschaft. Wenn man eine WM in der Vita hat, will man eine zweite.»

Zuerst fokussiert sie sich aber auf Tokio. Ob Pandemie, VAR oder Ungewissheit bezüglich eines Einsatzes, sie lässt sich ihre Vorfreude von nichts trüben und verliert den Fokus nicht.

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