Die Ungewissheit plagt ihn

Fr, 23. Jul. 2021
Joel Geissmann (oben) bei einem seiner letzten Einsätze am 13. Dezember 2020 (hier im Duell gegen St. Gallens Miro Muheim). Bild: Freshfocus

Der Hägglinger Profifussballer Joel Geissmann ist seit einem halben Jahr ausser Gefecht

Seit sieben Monaten wird Joel Geissmann einer Geduldsprobe unterstellt. Nach einer Gehirnerschütterung kämpft er für sein Comeback. Wann das ist, bleibt weiterhin unklar. «Ich hätte niemals gedacht, dass es so lange dauert», so der 28-Jährige.

Stefan Sprenger

17. Dezember 2020. Joel Geissmann spielt mit Lausanne auswärts beim FC Vaduz. Es läuft die 37. Minute. Der Mittelfeldspieler aus Hägglingen prallt mit einem Liechtensteiner zusammen. Geissmann kassiert die Schulter des Gegenspielers an den Kopf und fliegt auf den Boden. Nach kurzer Behandlung beendet er die erste Halbzeit auf dem Spielfeld. «In der Kabine war ich dann wie benebelt und total verwirrt. Ich habe meinen Platz nicht mehr gefunden», erzählt er. Es ist der Moment, als er realisiert, dass etwas nicht stimmt. Geissmann wird ausgewechselt und eine lange Leidenszeit beginnt.

Plötzlich drehte sich alles

Nach der Diagnose Gehirnerschütterung folgt eine Pause. Geissmann geht Joggen, trainiert ein paar Tage nur mit dem Konditionstrainer. Bald versucht er wieder in den Trainingsbetrieb einzusteigen. Bei steigender Belastung kommen die Kopfschmerzen und Schwindelanfälle. «Es hat sich plötzlich alles gedreht. Und ich merkte, dass irgendetwas nicht stimmt und es schlimmer ist, als man zuerst angenommen hat», so Geissmann. Er muss es ruhig angehen. Jeden Tag darf er Velo fahren und leichte Ausdauer- und Intervalltrainings absolvieren. Doch irgendwie wird es nicht besser. Die Kopfschmerzen und der Schwindel werden zur grossen Belastung. «Frust. Stimmungstiefs. Auch der Alltag wurde mühsam», so Geissmann. Der Profifussballer wird auf eine harte Geduldsprobe gestellt. «Die Ungewissheit war das Schlimmste.»

Monatelang geht es so weiter. Mittlerweile klappt es im Alltag wieder besser. Aber wenn er intensiv Sport macht, poltert und schwindelt auch sein Kopf wieder. «Langsam bin ich verhalten optimistisch und ich kann wieder an ein Comeback denken. Ich hätte niemals gedacht, dass es so lange dauert.»

«Es gibt keine Prognose»

An diesem Wochenende beginnt die neue Super-League-Saison. Für Geissmann, der bei Lausanne bis 2022 unter Vertrag steht, ist das aber unerreichbar. «Es gibt keine Prognose, wann ich wieder auf dem Feld mittun kann. Ich brauche Geduld, muss auf meinen Körper hören. Auch wenn es schwierig ist, muss ich langsam an die Sache rangehen», so Geissmann. Mittlerweile kann er seinen Puls bis 145 raufschrauben, ohne dass er etwas spürt. «Ich vermisse den Fussball sehr. Mental ist diese Verletzung eine grosse Herausforderung. Aber ich bin guter Dinge, dass ich in diesem Jahr wieder kicken darf.» Die lange Fussballauszeit hat auch gute Seiten, wenn man so will. Er hatte mehr Zeit für seine Freundin, verbrachte viele Stunden bei ihr in Lenzburg. Und er war auch öfter zu Besuch bei seiner Familie in Hägglingen. «Ich musste auch etwas auf Distanz gehen zu meinem Leben als Profifussballer in Lausanne, sonst wäre ich noch verrückt geworden.» Das Datum des Comebacks bleibt unklar. Sicher ist: Geissmann kämpft weiter, um möglichst bald wieder seiner Leidenschaft nachzugehen.

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