Meister in der Heimstube?

Fr, 11. Jun. 2021
Zu Hause in Muri hat LK-Zug-Trainer Thomas Huber die Chance, den nationalen Titel mit seinen Juniorinnen zu gewinnen. Bild: Stefan Sprenger

LK-Zug-Trainer Thomas Huber

Der Murianer Thomas Huber kann mit seinen U16-Juniorinnen des LK Zug den Titel holen. Und dies ausgerechnet in Muri.

Thomas Huber spielte fast zwei Jahrzehnte Handball – natürlich bei seinem TV Muri. Schon während der Aktivzeit wird er Trainer. Und ist dies bis heute geblieben. Nach 35 Jahren wird er per Ende Saison aber kürzertreten. Mit seinen Elite-Juniorinnen hat er die grosse Chance, den Meistertitel zu holen. Am Sonntag spielt man ausgerechnet in der Murianer Bachmattenhalle. «Wir wollen diesen Titel unbedingt holen», sagt er. --spr


Bilderbuch-Abgang gewünscht

Thomas Huber will mit seinen Juniorinnen des LK Zug in Muri den Titel holen – danach tritt er ab

35 Jahre lang war Thomas Huber Cheftrainer einer Juniorinnenmannschaft. Bevor er in wenigen Tagen kürzertritt, hat er in der Murianer Bachmattenhalle ein ungewohntes Heimspiel. Der Sieg im Play-off-Final soll ihm den Höhepunkt seiner Trainerlaufbahn und einen Bilderbuch-Abgang bescheren.

Stefan Sprenger

Handball dominiert im Leben von Thomas Huber. Das merkt man beispielsweise, wenn er von seiner Familie erzählt. Sohn Janis spielt in der U19 des HSC Suhr Aarau und schaffte vor Kurzem den Sprung von der U17in die U19-Nationalmannschaft. Seine Frau Tanja hatte mit der harzigen Sportart nichts am Hut, bis sie ihren Mann kennenlernte. «Heute weiss sie mehr als ich und schaut praktisch alle Handballspiele, die es am TV zu sehen gibt», sagt der 55-Jährige lachend. Auch der jüngere Sohn, der 16-jährige Luick, spielte lange Handball, wird aber auf die kommende Saison aufhören.

Thomas Huber lebt den Sport. Er ist auch nach mehreren Jahrzehnten noch verliebt in den Handball. Früher spielte er fast zwei Jahrzehnte beim TV Muri in der ersten Mannschaft. Schon früh wurde er Trainer. Und er ist es bis heute geblieben. 35 Jahre lang war er Cheftrainer. In Muri, in Wohlen und in Zug. Und bis auf wenige Ausnahmen waren es immer Juniorinnenteams, die er leitete. «Mein Führungsstil spricht die Jungs und Männer nicht so an», erklärt Huber seinen Entscheid, lieber Mädchen und Frauen zu coachen. Er erklärt weiter: «Mädchen gehen mehr ans Limit als Jungs und sind in diesem Alter unkomplizierter.»

Treibende Kraft von Daphne Gautschi

Thomas Huber hat in seinen über 30 Jahren vielen Handballerinnen versucht, etwas mit auf den Weg zu geben für eine starke Karriere. Er selber vergleicht den Weg einer Sportlerin mit einem Puzzle und ist stolz darauf, bei vielen Athletinnen auch mit ein paar Puzzle-Stücken vertreten zu sein. Sein grösster Wurf heisst Daphne Gautschi. Huber ist einer der Wegbegleiter und Förderer des wohl grössten Talents im Schweizer Frauenhandball. Er war die treibende Kraft hinter Gautschi. Die Nationalspielerin aus Muri, die mittlerweile bei Neckarsulm in der Deutschen Bundesliga spielt, fiel dem Handballkenner schon früh auf mit ihren Fähigkeiten. Huber war es, der Gautschi zum TV Muri holte und den Diamanten zu schleifen begann. «Schon mit elf Jahren hatte Daphne einen gigantischen Willen und enorm viel Talent. Sie ist und bleibt für mich unvergleichbar.»

Fachwissen und ein positiver Typ

Unvergleichbar ist auch er selbst. Denn in der Schweizer Juniorinnenbewegung gibt es selten so souveräne Trainer wie Thomas Huber. Er besticht durch sein Fachwissen, sein feines Gespür und durch sein positives Wesen. Daphne Gautschi meinte einst: «Ohne Thomas Huber wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Ich bin ihm sehr dankbar.» Er bringt enorm viel Zeit auf für den Trainerjob. Videoanalyse, Elterngespräche, akribische Trainingsvorbereitung. «Ich habe das immer gern gemacht. Jetzt ist es aber Zeit, um etwas kürzer zu treten», erklärt Huber.

Mehr Zeit haben

Als er vor 17 Jahren erstmals Vater wurde, hat er schon einmal versucht, dem Handball den Rücken zu kehren. «Nach einem halben Jahr stand ich wieder in der Halle», erzählt er lachend. Dieses Mal ist es ihm aber ernst. Huber möchte seine neu gewonnene Zeit nutzen, um beispielsweise die Spiele seines Sohnes Janis öfter zu besuchen. Zudem benötigt der Informatiker mehr Zeit für seine Firma computer-tagesklinik.ch. «Mir wird es sicher nicht langweilig», versichert er. Ganz weg vom Handball will und kann er aber doch nicht. Vielleicht wird er Co-Trainer bei einem Juniorinnenteam. «Wer weiss», sagt Huber und fügt an: «Wenn ich einmal pro Woche in die Halle gehe, dann ist das für mich wie aufhören.»

Heimspiel in Muri

Zum Abschluss will er mit einem Knall gehen. Denn sein aktuelles Team, die U16-Juniorinnen des LK Zug, haben die Chance, im Play-off-Final gegen Herzogenbuchsee den Meistertitel zu ergattern. Im Halbfinal hat man die HSG Nordwestschweiz diskussionslos bezwungen. Erstaunlich: Vor rund zwei Jahren spielten die Zuger U16-Juniorinnen noch um den Abstieg. Dann kam Huber und mit ihm steigerte sich das Selbstvertrauen der Spielerinnen und der Erfolg zog ein.

Das Hinspiel in Herzogenbuchsee war am Mittwoch. LK Zug verlor das Spiel mit 26:30. «Wir haben aus dieser Partie aber viel mitgenommen», sagt Huber. Das Rückspiel findet am Sonntag (14 Uhr) in der Murianer Bachmattenhalle statt. Der Grund: Die Sporthalle in Zug wird renoviert und Thomas Huber hat dann den Deal in der Bachmattenhalle eingefädelt. «Wir haben die intakte Chance, Schweizer Meister zu werden. Und dann noch in Muri. Für mich ist das ein absolutes Highlight meiner Trainerkarriere», erklärt Huber. Wer ein Ticket ergattern möchte, hat keine Chance mehr. Die 100 möglichen Tickets sind schon vergeben.

Mögliche Meisterfeier in der Badi

Neben den U16-Juniorinnen bestreitet auch die U18 des LK Zug ihren Play-off-Final an diesem Sonntag in der Bachmattenhalle. Kurioser Fakt: Der LK Zug hat die Chance, in jeder Stufe des Frauenhandballs den nationalen Titel zu holen. In den beiden höchsten Klassen ist dies bereits gelungen. Nun soll der Nachwuchs nachziehen. «Ich rechne uns gute Chancen auf den Titel aus. Die Tagesform wird aber entscheiden», so Huber.

Was sicher ist: Bei einem Titelgewinn steigt die Party der Juniorinnen gleich neben der Bachmattenhalle. «Die mögliche Meisterfeier wird in der Badi in Muri sein», erzählt Huber. Sein Team hat die grosse Chance, seinem Trainer nach 35 Jahren einen Bilderbuch-Abschied zu bescheren.


Weitere Freiämterinnen dabei

Im U16-Elite-Team des LK Zug sind neben Trainer Thomas Huber noch weitere Freiämter dabei. Seine Assistenztrainerin ist Draga Dragas und kommt ebenfalls aus Muri. Kreisläuferin Nora Snedkerud stammt aus Widen. Die 16-Jährige spielte für Mutschellen und Wohlen und besucht aktuell die Handball-Akademie OYM in Cham. Dort erhält sie neben hochprofessionellen Trainingsmöglichkeiten auch eine berufliche Ausbildung. Torhüterin Seraina Kuratli aus Wohlen ist gerade mal 14 Jahre jung, gilt aber als riesiges Talent. Sie spielte früher für Handball Wohlen und hat bereits ein Aufgebot für die U18-Nationalmannschaft erhalten. Mit Céline Staubli aus Wohlen spielt eine weitere Freiämterin bei den U18-Juniorinnen des LK Zug. Auch sie hat die Chance auf den Titel. --spr

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