Mut zur Zivilcourage

Di, 27. Jul. 2021
Unter Anleitung von Jonathan Kovats konnte man im Simulator einen Heli fliegen. Und innert zwei Minuten hebt der Heli bei einem Ernstfall ab. Bilder: Monica Rast

Sensibilisierungskampagne: Nur nichts tun ist falsch – jeder kann Leben retten

Eine Sensibilisierungskampagne von Lidl Schweiz und der Alpine Air Ambulance soll die Angst vor der Ersten Hilfe nehmen. Gemeinsam mit den regionalen Rettungskräften wurde allen Interessierten gezeigt, wie man in einem Notfall seinen Beitrag leisten kann.

Monica Rast

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, jemandem in Not zu helfen. Dass dem nicht so ist, erfahren die unterschiedlichsten Rettungskräfte immer wieder. Für Jürg Fleischmann, Delegierter des Verwaltungsrats und CEO der Alpine Air Ambulance (AAA), der selber als Pilot fliegt, gaben zwei einschneidende Erlebnisse den Anstoss zu dieser Sensibilisierungskampagne: Ein Vater war mit seinen zwei Kindern unterwegs, als dieser nur gerade mal fünf Meter von einer Defibrillatorstation entfernt zusammenbrach. Bei Ankunft des Rettungsteams standen etliche Personen um den am Boden liegenden Mann. Das Schlimmste an der Situation waren die gezückten Handys, um das Ganze festzuhalten. Dabei gingen lebensrettende Minuten verloren. Eine ähnliche Situation zeigte sich nur einige Wochen später bei einem Kind.

«Es kann nicht sein, dass niemand hilft», bemerkt Fleischmann, «bei einem Herzstillstand sind die ersten Sekunden lebensentscheidend.» Es ist eine hilflose Ohnmacht, die man in solchen Situationen verspürt. Denn in spätestens zweieinhalb Minuten nach der Alarmierung ist die Rettungscrew der AAA am Tag in der Luft. In der Nacht innerhalb von sieben Minuten. Und trotz dem schnellen Einsatz braucht es die Ersthelfer vor Ort, denn diese ersten Minuten sind entscheidend, um bleibende Schäden zu minimieren.

Den Rettungshelikopter genau betrachtet

Fleischmann machte sich Gedanken, wie man die Menschen zur Hilfe animieren könnte, und kam mit der Idee einer Sensibilisierungskampagne auf Lidl Schweiz zu. Die Geschäftsleitung war leicht zu begeistern und fand es «ein wichtiges Thema». In kürzester Zeit wurden drei Events unter dem Motto «Hilf mit – rette Leben» geplant. Der zweite fand nun vergangenen Samstag auf dem Lidl-Parkplatz in Wohlen statt. Das Ziel dieser Events ist es, die Zivilcourage zu fördern und auf die Laienreanimation aufmerksam zu machen.

«Nur nichts tun ist falsch», ist sich Corina Milz, Mediensprecherin Lidl Schweiz, sicher. Der Ort ist prädestiniert für eine solche Kampagne. Genügend Platz, um die unterschiedlichsten Rettungskräfte zu präsentieren, und eine hohe Frequenz an ansprechbaren Personen. So wurden die Kunden eingeladen, den Rettungshelikopter der Alpine Air Ambulance, den Rettungswagen des Rettungsdienstes Neeser und einen Heli-Flugsimulator zu bestaunen oder unter fachkompetenter Leitung eine Herzdruckmassage durchzuführen. Ebenfalls anwesend waren die Regionalpolizei und ein Transporter für Transplantation.

Unter zwei Minuten

Während des ganzen Events standen die Rettungskräfte in Bereitschaft. So kam es, dass plötzlich der Rettungswagen mit der Polizei zu einem Einsatz gerufen wurde. Keine Stunde später kam für den Rettungshubschrauber der Einsatzbefehl. Ein kurzer Ruf von Fleischmann an das Team vor Ort, der schnelle Einsatz der Sicherheitsleute, um die Personen aus der Gefahrenzone zu bringen, und schon hob der Heli in unter zwei Minuten ab.

Zurück blieben staunende Menschen mit ihren laufenden Kameras, die sich hoffentlich bei einem Ernstfall an diese Kampagne erinnern und in Zukunft ihr Handy nur hervornehmen, um die 144 zu wählen.

Category: 

Neuen Kommentar schreiben

Die Emailadresse wird nicht veröffentlicht oder an dritte weitergegeben. Sie wird nur zu Kontaktzwecken im Zusammenhang mit diesem Kommentar verwendet.
CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und automatisiertem Spam vorzubeugen.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Der alte Glanz ist zurück

Die Arbeiten beim «Caspar» gehen voran – das «Ochsen»-Wirtshausschild hängt wieder

Es lag beschädigt und in Einzelteilen in seiner Werkstatt in Bünzen. Nun konnte Kunstschlosser Werner Villiger das «Ochsen»-Wirtshausschild wieder montieren.

Annemarie Keusch

John Rusterholz zückt sein Handy. Der Moment, wenn das Wirtshausschild wieder an die «Ochsen»-Fassade gehängt wird, will der «Caspar»-Direktor natürlic…