Neue Regeln, neue Lösungen

Di, 17. Nov. 2020
Das Pumpwerk Kreuzester ist ein wichtiger Wasserlieferant für Villmergen. Bild: zg

Villmergen hat weiterhin mit dem Chlorothalonil im Wasser zu kämpfen

Chlorothalonil ist seit Anfang Jahr verboten. Damit ist das Problem nicht aus der Welt geschafft. Villmergen hat nach wie vor mit einem erhöhten Wert zu kämpfen.

Chantal Gisler

Es war eine kleine Anpassung, aber mit grossen Folgen für Villmergen. Am 8. August 2019 setzte das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erstmals einen Höchstwert von Chlorothalonil im Trinkwasser fest. Dieser liegt neu bei 0,1 Mikrogramm pro Liter. Vorher wurden die Rückstände des Pestizids nicht beachtet. In der ganzen Schweiz wurde das Trinkwasser daraufhin untersucht. Im September machten die Gemeindewerke Villmergen eine Selbstkontrolle. Das Ergebnis: 0,19 Mikrogramm pro Liter. Die Gemeindewerke mussten handeln.

Das Villmerger Wasser kommt normalerweise zu 65 Prozent aus den Grundwasserpumpwerken Kreuzester und Unterzelg. 35 Prozent stammen aus eigenen Quellen oder aus Einkäufen von Wohlen oder Seengen. Das Pumpwerk Kreuzester war zu diesem Zeitpunkt das Hauptstandbein der Wasserversorgung und damit unentbehrlich. Beim Kreuzester wurde ein Wert von 0,87 festgestellt. Beim Unterzelg waren es 0,24 Mikrogramm pro Liter. Die Gemeindewerke leiteten umgehend Massnahmen ein. Die Nutzung des Pumpwerks Kreuzesters wurde soweit möglich zurückgefahren und der Einkauf von Wohlen auf das vertragliche Maximum erhöht. Denn das Wohler Wasser überschritt den Höchstwert nicht.

Das war vor rund einem Jahr. Wie hat sich die Situation in Villmergen seither verändert?

Gleichbleibende Werte

Grundsätzlich steht fest: Das Villmerger Trinkwasser kann zu jeder zeit ohne Bedenken konsumiert werden. «Es ist eine neue Regel vom Kanton und da müssen wir neue Regeln suchen», sagt Gemeinderat Renato Sanvido. Das Trinkwasser wurde in regelmässigen Abständen immer wieder getestet. Gemäss Sanvido lässt die Messreihe bereits erste Aussagen zu. Die Messungen wurden im August und Dezember 2019 sowie im März, Juni und September dieses Jahres durchgeführt. Der Wert im Pumpwerk Kreuzester hat sich nicht gross verändert. Im Dezember sank er auf 0,77 Mikrogramm pro Liter. Schon im März stieg er auf 0,91 und im Juni auf 1,04. Im September war er wieder runter auf 0,81.

Der Wert im Unterzelg ist während den Sommermonaten ebenfalls angestiegen, im September lag er aber wieder bei 0,26 Mikrogramm pro Liter. Die Ergebnisse der Netzstelle Villmergen lagen im letzten Jahr bei 0,19 beziehungsweise 0,15 Mikrogramm pro Liter. Im März sank der Wert auf 0,02. Im Juni sprang er auf 0,3 und bei der letzten Messung im September lag er bei 0,63.

Die Netzstelle in Hilfikon beträgt zu jedem Zeitpunkt einen Wert von rund 0,002 Mikrogramm pro Liter.

Chlorothalonil wurde im Januar 2020 schweizweit verboten. Das Problem: Es kann Jahrzehnte dauern, bis das Chlorothalonil im Grundwasser weniger wird. Denn anders als bei Fliessgewässern kann sich das Grundwasser nicht so schnell mit sauberem Wasser vermischen. Man kann davon ausgehen, dass das Chlorothalonil noch länger im Grundwasser bleibt. «Zudem kann es sein, dass aufgrund des Zeitpunktes der Probeentnahmen die Ergebnisse im Mischwasser an den Netzstellen grössere Unterschiede aufweisen können, je nach Anteil der Wasserbezüge aus den Quellen am Rietenberg sowie dem Wassereinkauf von Wohlen mit Grundwasser aus der Region Lenzburg», heisst es in der Mitteilung des Gemeinderates.

Gespräch mit dem Kanton

Eine Delegation der Gemeindewerke nahm am zweiten «Runden Tisch Chlorothalonil» im Oktober statt. Mit dabei war auch der Gemeinderat Renato Sanvido. Der Runde Tisch wurde vom Kanton im letzten Herbst ins Leben gerufen, um die Thematik Chlorothalonil zu besprechen. Die Aussage des Kantons: «Gemeinden, die von einer Höchstwertüberschreitung betroffen sind, müssen Massnahmen für eine Verbesserung der Trinkwasserqualität treffen, sofern sie mit angemessenem Aufwand umsetzbar sind.» Was heisst das konkret für Villmergen? «Als Massnahme haben wir den Wasserkauf von Wohlen auf das vertragliche Maximum erhöht», erklärt Renato Sanvido. Damit wird das Wasser aus den eigenen Quellen so weit verdünnt, dass das Chlorothanonil nicht über den Maximalwert kommt. Denn dass sich die Quellen schnell erholen, ist nicht wahrscheinlich. «Chlorothanonil wird seit 50 Jahren in der Landwirtschaft genutzt. Es steckt im Boden. Bis es sich da abgebaut hat, wird es wohl eine Weile dauern, das geht nicht von heute auf morgen.» Die Villmerger haben ebenfalls bei der Gemeinde Meisterschwanden angefragt. Sie baut das erste Pumpwerk im Hallwilersee. Allerdings sind die Kapazitäten dort beschränkt. Aus diesem Grund ist die Gemeinde froh, dass sie das Wasser aus Wohlen einkaufen kann. «Es sind eben neue Regeln, die der Bund aufgestellt hat. Wir als Gemeinde müssen jetzt Lösungen finden.» Er betont: «Es ist aber nach wie vor so, dass das Villmerger Trinkwasser unbedenklich konsumiert werden kann.»

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