Saubere Verhältnisse

Di, 27. Jul. 2021
Mitarbeiter Simon Helfenstein spült gerade einen Teil des Kanalsystems in Zug. Bilder: Susanne Schild

Sommerserie Wasser

Seit fast 35 Jahren sorgt die Kanal-Engel AG in Abtwil dafür, dass das Kanalsystem funktioniert.

Wie vielfältig Wasser ist, versucht die Redaktion in der gleichnamigen Sommerserie zu präsentieren. Noch in den 1950er-Jahren waren die Schweizer Gewässer stark durch Siedlungs-, Gewerbe- und Industrieabwasser verschmutzt. Schäumende und stinkende Bäche, Fischsterben, Abfälle in Fliessgewässern und Seen waren an der Tagesordnung. Die Wasserqualität war zum Teil so schlecht, dass das Baden aus gesundheitlichen Gründen verboten war.

Bis 1965 waren nur 14 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz an eine zentrale Kläranlage angeschlossen. Mittlerweile umfasst das Kanalisationsnetz eine Länge von über 130 000 Kilometern mit 800 angeschlossenen Kläranlagen. Die Kanal-Engel AG in Abtwil sorgt seit fast 35 Jahren dafür, dass das Kanalsystem funktioniert. Denn die bestehende Infrastruktur muss erhalten und für neue Herausforderungen weiterentwickelt werden. --sus


Arbeiten im Untergrund

Sommerserie Wasser: Kanal-Engel AG in Abtwil sorgt für saubere Verhältnisse

Sie arbeiten im Untergrund und stellen sicher, dass alles im Fluss bleibt. Die Kundschaft der Kanal-Engel AG reicht vom Hausbesitzer über Industrie bis hin zu Gemeinden und Kantonen. 365 Tage im Jahr sind die Mitarbeitenden einsatzbereit. Dabei setzen sie in allen Bereichen, sei es das notfallmässige Spülen eines Lavabos oder die visuelle Überprüfung von Leitungen, stets die modernste Kanal-Technik ein.

Susanne Schild

Die anhaltenden Regenfälle der letzten Wochen und die Unwetternacht am 13. Juli hinterliessen auch Spuren im Freiamt. «Zwar kam es nicht so schlimm wie befürchtet, doch in der letzten Woche hatten wir alle Hände voll zu tun», bestätigt Remo Engel, Projektleiter der Kanal-Engel AG in Abtwil. Keller und Tiefgaragen mussten leergepumpt und vom Schlamm befreit werden. Auch Bachläufe waren verstopft und mussten gesäubert werden.

«Gerade bei Unwettern verstärkt sich das Problem. Wenn das Kanalsystem schon verdreckt ist, kann das Wasser noch schlechter abfliessen. Deshalb sei es umso wichtiger, die Standard-Wartungsarbeiten regelmässig und gewissenhaft durchzuführen, um eventuell vorhandene Schäden dokumentieren und beheben zu können. «Ein Riss ist nicht gleich ein Riss», weiss auch Mitarbeiter Andres Wohlwend, der die Aufnahmen der Kanal-TV-Kamera analysiert und dokumentiert. «Wir nehmen die Mängel an der Bausubstanz auf. Anhand unseres Protokolls erstellt dann der zuständige Ingenieur einen Massnahmenkatalog.»

Prävention ist das A und O

«Wenn etwas nicht mehr funktioniert, wird ersichtlich, was im Verborgenen falsch läuft», meint Projektleiter Remo Engel. Doch gerade die Prävention sei wichtig. «Erfreulich ist, dass wir vermehrt ins Augenmerk von privaten Eigentümern rücken. Denn die Kosten sind hoch, wenn es nicht mehr funktioniert.» Bei den Gemeinden sei das Bewusstsein schon länger vorhanden. «Die sind sich schon bewusst, was sie im Boden haben.» Teilweise sei das Kanalsystem über 20 Jahre alt. «Da sind regelmässige Wartungsarbeiten besonders wichtig», weiss Remo Engel. Wenn das Rohrsystem dann doch einmal verstopft sein sollte, sei es teilweise schon überraschend, was dann alles zutage käme. «Eine Leiche haben wir zum Glück noch nicht gefunden, doch vom Laptop bis hin zum toten Tier war schon einiges Kurioses dabei.»

Rasante Weiterentwicklung in der Technik

1987 gründete Peter Engel die Kanal-Engel AG. Sein erstes Fahrzeug baute er in 1500 Mannstunden selbst. «Heute wäre das unmöglich. Die Technik hat sich wahnsinnig weiterentwickelt», betont der Firmengründer. Nach vier Jahren kam dann das zweite Fahrzeug dazu. «Ob reinigen, spülen, absaugen, entsorgen, prüfen, sanieren, orten oder kalibrieren: Unsere Fahrzeuggotte ist in allen Bereichen auf dem neusten Stand und mit der modernsten Technik ausgerüstet», beschreibt er den Fuhrpark. Aktuell seien das neue Kanal-TV-Grossfahrzeug und ein Dichtigkeitsprüfungs-Anhänger in die Flotte integriert sowie ein Service-Bus mit modernster 3D-Panorama-Technik für die Schacht-Inspektion ausgerüstet worden.

Die ersten drei Jahre allein

Aus dem Ein-Mann-Betrieb ist mittlerweile ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitern geworden. «Die ersten drei Jahre gab es nur mich und mein Fahrzeug», erinnert sich Peter Engel zurück.

Traditionell stark im Einsatz ist die Kanal-Engel AG in den Regionen Freiamt, Wohlen, Zug, Luzern, Aargau, Hochdorf und Affoltern am Albis», ergänzt sein Sohn Remo Engel. Nach 25 Jahren macht Peter Engel sein Beruf immer noch grossen Spass. «Ich habe immer noch den Plausch wie am ersten Tag. Besonders glücklich bin ich, dass meine Söhne die Firma weiterführen.» Obwohl er seit einem halben Jahr in Pension ist, ist er immer noch ab und zu für die Firma tätig. «500 PS unter dem Sitz fühlen sich einfach gut an», meint er lachend. Ausserdem schätzt er die Vielseitigkeit seiner Tätigkeit, den Kontakt mit Leuten aus allen Schichten. Und noch ein Vorteil sei, dass man viel an der frischen Luft wäre, so Engel.

Ein junger Beruf

Die Kanal-Engel AG bildet auch Lehrlinge aus. «Obwohl es den Beruf schon lange gibt, kann man ihn erst seit 2014 ofüziell erlernen», erklärt Remo Engel. «2017 machten dann die Ersten ihren Abschluss.» Auch der zweite Lehrling der Kanal-Engel AG hat vor Kurzem seine dreijährige Ausbildung erfolgreich beendet. «Im August fängt unser neuer Lehrling an», so Remo Engel. «Man kann nicht nur nach Berufsleuten mit viel Erfahrung verlangen, man muss auch etwas für den Nachwuchs tun. Wir übernehmen als Lehrbetrieb diese Verantwortung und bilden junge Menschen zu Entwässerungstechnologen und Entwässerungstechnologinnen aus.»

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