Tausende Flug-Fans sind dabei

Di, 27. Jul. 2021
Flugtag am Hallwilersee 1921 beim Delphin. Tausende Menschen aus der ganzen Schweiz besuchten das Spektakel. Bild: Sammlung Heinz Aebi

Erinnerung an den sagenhaften Flugtag am Hallwilersee von 1921

Vor 100 Jahren versprach der 17. Juli 1921 ein Spektakel, wie es das Seetal noch nie gesehen hatte. Aus allen Richtungen strömte das Publikum an diesem Sonntag nach Meisterschwanden. Die Gemeinde erinnert in einem Bericht an diesen Tag.

Die Dampfschiffgesellschaft und die Wohlen-Meisterschwanden-Bahn leisten Extrafahrten, Pferdewagen und Autos treffen ein, der Velopark wächst stetig an. Die grosse Attraktion: zwei Wasserflugzeuge der Luftverkehrsgesellschaft Ad Astra Aero, die vor dem Strand beim Delphin unermüdlich zu Passagier-Rundflügen abheben und wieder zurückkehren.

Die Zahl der Zuschauer, die das Schauspiel am Hang oberhalb des Seeufers mitverfolgten, ging in die Tausende. Damit der Flugtag zum «zeitgemässen Volksfest» wurde, hatten die Verkehrsvereine Meisterschwanden, Fahrwangen und Bünztal-Seetal für ein passendes Rahmenprogramm mit Verpflegung, Musik und Tanzboden gesorgt.

Der Wohler Albert Furter erhält Gedenktafel

108 Fluggäste wagten sich in die Luft – ein Rekord. Nie zuvor hatte die Ad Astra so viele Passagiere an einem Tag befördert. Einer der beiden Piloten, Henry Pillichody, sollte tags darauf den ersten Passagierflug über die Alpen vornehmen. Es war die Pionierzeit des Luftverkehrs. Weil es noch an Flugplätzen fehlte, feierten Wasserflugzeuge ihre grosse Zeit. Die Swissair-Vorgängergesellschaft Ad Astra träumte vom Linienflugverkehr, kämpfte aber mit der Rentabilität. Mit Flugtagen wie am Hallwilersee wollte sie die Luftfahrt popularisieren und das Vertrauen ins neue Verkehrsmittel stärken.

Dieses Ziel wurde in Meisterschwanden erreicht, wenn man dem Tagblatt-Reporter glauben darf. «Jeder, der einen Flug hinter sich hatte, entstieg dem metallenen Vogel mit einem inneren Jubel, der sich gar nicht in Worte fassen lässt», schrieb er. «Der Berichterstatter konnte selbst feststellen, wie falsch und ungerechtfertigt jede Ängstlichkeit gegenüber dem Fliegen ist. Er war auf Angstgefühle gefasst; doch nichts von Herzbeklemmung und Schwindelgefühl. Sicher wie in Abrahams Schoss gings in die Lüfte hinauf. Ein kurzer Tanz des Flugzeugs auf dem Wasser, dann sinkt plötzlich der Wasserspiegel. Wir schweben. Aufwärts, himmelwärts.»

Auch in der Bevölkerung hinterliess der Anlass einen bleibenden Eindruck. Als der Chef des Organisationskomitees, der Wohler Grossrat Albert Furter, wenige Monate später im Alter von 44 Jahren an einer Lungenentzündung starb, wurde er für den Flugtag mit einem Gedenkbrunnen beim Delphin geehrt. Dass Furter auch Verwaltungsratspräsident der Wohlen-Meisterschwanden-Bahn gewesen war, blieb auf der Erinnerungstafel unerwähnt.

Der Flugtag von 1921 sollte am Hallwilersee nicht der letzte gewesen sein, im Lauf der 20er-Jahre folgten weitere. Am 30. August 1931 kam es nochmals zu einer Grossveranstaltung. --zg

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