Zurück in die Nati

Di, 12. Jan. 2021
Muri-Duell: Verteidigerin Julia Stierli (FCZ, links) gegen Stürmerin Alayah Pilgrim (Basel).

Julia Stierli vom FC Zürich

Die Murianerin Julia Stierli ist zwar erst 23 Jahre jung, doch sie feierte schon etliche Erfolge mit dem FC Zürich. Vier Mal Schweizer Meister, vier Mal Cupsieg. Die Verteidigerin erhielt 2014 ihr erstes Nati-Aufgebot. Seit 2017 ist sie fix dabei und war gesetzt in der Schweizer Nationalauswahl. Im Jahr 2020 hat sie ihren Platz in der Nati verloren. Doch im neuen Jahr will sie sich zurückkämpfen ins Team. --spr


Zurück in die Nati, nie weg aus Muri

Fussball, Women’s Super League: Julia Stierli vom FC Zürich hat ihren Platz in der Nationalmannschaft verloren

Mehrfache Schweizer Meisterin, Champions-League-Teilnehmerin und Nationalspielerin: Julia Stierli aus Muri hat mit ihren 23 Jahren schon vieles im Frauenfussball erreicht. Ihren Platz in der Nati hat sie jüngst verloren, doch sie steckt sich fürs neue Jahr grosse Ziele.

Stefan Sprenger

Hier hat alles angefangen. Auf dem Sportplatz Brühl in Muri. «Ich habe hier unzählige tolle Erinnerungen», sagt Julia Stierli. 23 Jahre jung, Spielerin des FC Zürich, modisch gekleidet – und immer mit einem sympathischen Lächeln ausgestattet. Die 1,82 Meter grosse Frau streift mit ihren Schuhen über die Schneedecke. «Ich liebe Schnee», sagt die begeisterte Wintersportlerin.

Vier Mal Meister und vier Mal Cupsieger

Stierli ist ein «absoluter Familienmensch», wie sie sagt. Deshalb war es auch logisch, dass sie in den Fussball fand. Vater Markus und Onkel Toni Stierli waren jahrelang prägende Figuren beim FC Muri. Als kleines Mädchen kickt sie mit ihrem Bruder im Garten. Mit acht Jahren tritt sie dann dem FC Muri bei. Als Jugendliche schafft sie die Aufnahme ins Ausbildungszentrum Huttwil, wo die besten Fussballerinnen des Landes trainieren. Ihr grosses Talent wird gefördert. Sie absolviert das Sportgymnasium in Aarau und wechselt vom FC Muri zum FC Aarau in die NLB. Ihre Nachbarin und Cousine Michelle Stierli spielt nach wie vor dort.

Julia Stierli wechselte 2014 zu den Frauen des FC Zürich. Vier Mal feiert sie den Meistertitel, vier Mal stemmt sie den Cup-Pokal in die Höhe. Die Verteidigerin spielt in der Champions League und ist seit 2017 Teil der Schweizer Nationalmannschaft. Bei den FCZ-Frauen ist sie eine Leistungsträgerin.

Im letzten Jahr wurde sie aber in der Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt und war nur im erweiterten Kader. «Ich wurde nicht schlechter, aber ich habe keine grossen Fortschritte mehr gemacht», analysiert sie selbstkritisch. Dazu kommt, dass die junge Frau viel Wert auf ihre Ausbildung als Physiotherapeutin legt. Im Dezember hatte sie Prüfungen, sie schreibt momentan ihre Bachelorarbeit und darf bald ihr erstes Praktikum im Zürcher Weid-Spital absolvieren. «Der Job macht mir riesig Spass», sagt sie. In 2,5 Jahren hat sie ihre Ausbildung beendet.

«Ich lasse mich nicht stressen»

Auch wenn sie beruflich eingespannt ist, will sie zurück ins Nationalteam. «Ich lasse mich nicht stressen. Aber ich will mein Bestes geben und schauen, ob es wieder reicht. Nur mit guten Leistungen kann ich mich wieder empfehlen», sagt sie.

Bei den Frauen des FC Zürich ist Julia Stierli nach wie vor gesetzt und hat fast alle Saisonspiele absolviert. «Es war eine Vorrunde, in der nicht alles optimal lief», meint sie. Der FCZ hat acht Siege und fünf Niederlagen geholt und steht auf dem 3. Rang. Der Rückstand auf Leader Servette beträgt acht Punkte. «Die Spitze im Schweizer Frauenfussball ist eng. Viele Teams liegen nahe beieinander. Und doch haben wir das Potenzial, um eine starke Rückrunde hinzulegen und im Meisterrennen vielleicht noch ein Wörtchen mitzureden.»

Ihr Highlight der Vorrunde war der 2:1-Sieg gegen den Tabellenführer Servette. Für die Genferinnen blieb es die einzige Saisonniederlage. Und gegen den FC Basel durfte sie eine besondere Gegenspielerin im Letzigrund empfangen. Alayah Pilgrim, Stürmerin des FC Basel, ist ebenfalls eine Murianerin. Zum ersten Mal duellierten sich die beiden Freiämterinnen auf dem Platz. «Das ist natürlich toll, dass gleich zwei Murianerinnen in der NLA spielen.» Verteidigerin Stierli und Stürmerin Pilgrim hatten dann im Spiel auch viele Zweikämpfe gegeneinander. Zürich siegte mit 2:0.

Erfreulich findet die Freiämterin, dass im Schweizer Fernsehen vermehrt Spiele der Women’s Super League gezeigt werden. «Das steigert den Bekanntheitsgrad sehr.» Auf der Strasse werde sie aber nach wie vor nicht erkannt, wie sie lachend erklärt. Das ist ihr sowieso lieber. Denn Julia Stierli sucht nicht das Rampenlicht.

Ziele für das Jahr 2021

Sie mag ihr Zuhause so sehr, dass sie den Lockdown im Frühling sogar etwas geniessen konnte. Julia Stierli verbrachte viel Zeit in Muri und hatte für einmal viel Freizeit. «Ich bin etwas zur Ruhe gekommen», meint sie. Weil der Frauenfussball in der NLA als Profisport gilt, durfte die Saison weitergeführt werden. «Ich sehe mich nicht als Profi, sondern mehr als Spitzensportlerin», sagt Stierli, die vom Fussballerinnenlohn keinesfalls leben könnte.

Seit dieser Woche trainiert sie wieder mit dem Team. In der vergangenen Festtagszeit gabs für die Spielerinnen ein individuelles Programm. Kraft, Ausdauer, Joggen im Murianer Wald. «Wenn es verschneit ist, wie jetzt, mag ich es sehr, im Wald laufen zu gehen.»

Julia Stierli wirkt sehr zufrieden und reif. Auf die Frage nach den Zielen für das Jahr 2021 bleibt sie dann auch gewohnt bodenständig. «Mein Praktikum erfolgreich absolvieren, eine starke Bachelorarbeit abgeben – und wenn möglich wieder den Sprung in die Nati schaffen.» Möchte die langjährige NLA-Spielerin nicht einmal im Ausland kicken? Stierli überlegt und erzählt, dass die Chance in der Vergangenheit schon einmal da war. «Aber die Ausbildung war mir wichtig und den Lifestyle einer Proisportlerin konnte ich mir nicht vorstellen.» Vielleicht wird es noch etwas mit der Auslandserfahrung? «Mal schauen.»

Auf der Tribüne des Stadions Brühl in Muri posiert sie etwas schüchtern für das Foto. «Manchmal schaue ich mir noch Spiele des FC Muri an», meint sie. Und es ist ihr anzusehen, dass sie es enorm schätzt, als Spitzensportlerin weiterhin in ihrer Heimat zu leben.

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